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3. Das Training an
der Longe (Seite 2)
Frühjahr 1998, Luna ist nun 3 Jahre alt
Luna läuft nun gut mit gleichmäßigem Tempo und taktrein,
völlig entspannt, frei im Genick und in der Rückenmuskulatur und spielt
mit dem Gebiss. Jetzt kommen die Übergänge Trab- Galopp, Galopp-Trab
und Trab-Schritt hinzu.
Der Trab ist ein Zweitakt. Durch das Mitschwingen des
Rückens ist der Rhythmus auf dem Zügel ebenfalls ein Zweitakt. Diese
Kippbewegung merkt das Pferd am Gebiss. Die Elastizität des Rückens
bewirkt also, dass sich das Pferd vor allem in den Übergängen ausbalancieren
kann; mal ist auf dem rechten, mal auf dem linken Zügel mehr Kontakt.
Beim Galopp ist es ganz ähnlich: Der Dreitakt dieser Gangart wird
über den Zügel auf das Gebiss übertragen.
Luna lernt im Verlauf dieser Arbeit, diese Rhythmen zu unterscheiden.
Gerade deshalb habe ich mich bei ihrer Ausbildung auch
für die Longenarbeit mit Ausbindzügeln entschlossen:
Viele dieser Signale würde sie nämlich ansonsten erstmals unter mir
im Sattel kennenlernen und hätte es dann doppelt schwer, weil sie
ja mein Gewicht mit ausbalancieren müßte.
Am Anfang haben wir noch einige Schwierigkeiten mit dem galoppieren.
Was am losen Strick schon recht gut klappt, bereitet ihr nun Schwierigkeiten.
Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil ihr ja jetzt der Galopprhythmus
durch die Ausbinder vorgegeben wird. Sie darf also nicht mehr irgentwie
galoppieren, sondern muß es in der richtigen Art und Weise tun. Gerade
am Anfang schwingt der Rücken im Galopp noch nicht elastisch genug
mit und sie verliert dadurch den so wichtigen Rhythmus. Die Übergänge
zwischen den Gangarten helfen ihr aber zunehmend, sich ausbalancieren
zu können und so nimmt die Geschmeidigkeit des Rückens zu. Ihr Tempo
und ihren Takt hält sie jetzt zunehmend besser, wobei alle Übungen
wie Zirkel verkleinern und vergrößern, Changements durch die Mitte,
Übergänge in den Gangarten und Tempounterschiede innerhalb einer Gangart
ihre Geschmeidigkeit sichtbar verbessern und sie ihr Gleichgewicht
auch mit einer konstanten Innenbiegung in allen Gangarten findet und
beibehält.
Die Reihenfolge der weiteren Arbeit ist nun die, dass
mit Beibehaltung des taktmäßigen Ganges und infolge der Selbsthaltung,
zunächst die Schubkraft entwickelt wird.
Diese wird ein weiteres Vortreten und einen kräftigeren Abschub der
Hinterbeine und damit ein Herandehnen des ganzen Pferdes an die Longe
zur Folge haben. Ist durch dieses Herandehnen die Losgelassenheit
erreicht, so ist auch schon der Anfang zu einer sicheren Anlehnung
an die Longe gemacht. (Der weitere Verlauf der Longenarbeit ist nachzulesen
in Freizeit im Sattel 9/98 und 10/98).
Nach einigen Wochen der Übung in denen Lunas Kraft aus
der Hinterhand deutlich zugenommen hat, frage ich nun die Pesade,
das Steigen an der Hand mit angelegten Ausbindezügeln ab. Diese verhindern
ein sich Ausbalancieren können durch Vorgehen mit dem Kopf wie bei
der Freiarbeit. Luna muß nun "mit Rücken" steigen. Diese Übung erfordert
enorm viel Kraft in der Hinterhand und einige Monate konsequenter
Gymnastizierung, bis sie in guter Manier gelingen wird. Unter dem
Reiter kann sie dann nach Jahren des Trainings vielleicht einmal in
der Levade enden!
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Nach und nach vergrößere ich nun den Abstand bis
auf die reguläre Longenlänge und bleibe an einem Punkt
stehen. Luna benötigt wenig Aufmunterung durch die Peitsche,
durch die vorangegangenen Übungen hat sie gelernt gut voranzugehen
und sie achtet willig auf meine Signale. Ich halte nun auch die
Longe in Anlehnung; sie hängt nicht mehr durch wie bei der
Freien Longenarbeit. Ich ersetze meine Körpersprache zunehmend
durch Signale mit der Longe und der Peitsche. Die ruhige Schweifhaltung
von Luna zeigt mir, dass sie an diese ungewohnten Aufgaben nicht
mit Aufregung herangeht. |
Anhalten aus dem Trab, die letzten Tritte:
Die Peitsche schwingt unter der Longe nach vorne vor, die Peitschenspitze
senkt sich.
Ich halte in diesem Ausbildungsstadium von Luna noch nicht abrupt
an, sondern fordere ein Durchparieren von 2-3 Schritten. Dadurch werden
Sehnen, Bänder und Gelenke nicht überstrapaziert und die
Muskeln schonend auf die neue Übung vorbereitet. Man sieht hier
recht deutlich, dass Luna trotz der Ausbinder den Kopf noch recht
nehmen kann, durch die Ausbinder also keinesfalls eingeengt wird!
Erst durch die fortschreitende Arbeit wird sie die Übergänge
mit elastischem und mitschwingendem Rücken mit der gewünschten
Beizäumung ausführen können. Die Lektion soll sie dazu
befähigen, nicht die Ausbinder sollen sie in diese Haltung zwingen.
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