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Ausbildung des Pferdes Teil I
Bilder und Texte Frau Birgit Katharina Bank |
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1. Freiarbeit
und Spazierenführen Luna ist nun ca 1 1/2 Jahre alt, sie ist leicht und
gehorsam im Umgang und ich möchte nun beginnen, sie an das Spazierengehen
zu gewöhnen.
Die Hilfen, die ich bei Lunas Grunderziehung bislang einsetzte, entstammen alle aus dem körpersprachlichen Repertoire der Pferde. Auch bei der Festigung und den weiterführenden Arbeiten will ich zunächst noch diese Hilfen zur Verständigung einsetzen. Ich beginne also mit der Freiarbeit in einem festumzäunten nicht zu kleinen Viereck. Hier "spielen" wir zunächst miteinander. Das Spiel heißt:
Luna reagiert sofort fein und sehr aufmerksam. Zum erneuten Antreten
begebe ich mich wieder deutlich hinter ihre Kruppe und hebe die Peitsche
wieder hinter der Kruppe bis auf die Sprunggelenkhöhe an.
Es ist erstaunlich, wie schnell sie versteht, augenblicklich abwendet
und zu mir hinläuft. Jetzt wird sie ausgiebig gelobt, gestreichelt
und das Leckerchen fehlt auch nicht. Würde sie nicht so prompt reagiert
haben, so hätte ich sie weiter vor mir hertreiben müssen und ihr diese
Aufforderung so oft wie nötig geben müssen. Luna folgt mir. Für den Fall, dass sie mich überholen will habe ich
vorsichtshalber die Gerte griffbereit, die augenblicklich vor ihrem
Kopf hochschnellend eingesetzt werden könnte. Luna macht aber keine
Anstalten auszubrechen oder sich von mir zu entfernen. Sie geht, wenn
ich gehe, sie bleibt stehen, wenn ich stehenbleibe, sie folgt mir
sogar in die Wendung....um dann die Gelegenheit zu nutzen, um mit
freudigen Quitschern und wild buckelnd davonzustürmen.
Loben, Leckerchen und jetzt bitte wieder folgen! Es dauert keine drei Tage, da hat Luna das Spiel völlig verstanden.
Doch Vorsicht! Das "Spielen" mit den Pferden darf nicht zur "Spielerei" werden. Man sollte immer bestimmte Leistungen und genau definierte Lektionen anstreben, damit nicht das Pferd plötzlich die Spielregeln bestimmt und die Rangfolge umkehrt. Niemals darf das Pferd am höheren Rang des Menschen zweifeln; nur dieser macht ihn in seinen Augen vertrauenswürdig.
Das nächste Kommando ist nun sehr einfach zu verstehen: beim Hereinholen
in den Kreis (zu mir kommen) schwingt wie zum Anhalten auf dem Hufschlag
die Peitsche wieder vor, die Spitze senkt sich ab und gibt Luna weiter
von mir entfernt das Zeichen zum Anhalten. Nun versuche ich, sie beim Hereinkommen an diversen Stellen anzuhalten, wieder auf mich zu kommen zu lassen, sie wieder zu stoppen, bis sie, endlich bei mir angekommen, ihr Leckerchen in Empfang nehmen kann. Diese Art der Arbeit fördert ganz ungemein das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Pferd; im Spiel erfährt Luna die klare Dominanz des Menschen, sie lässt sich wegtreiben und vortreiben, sie lässt sich anhalten und ich bestimme, wann sie zu mir kommen darf. Es sind die gleichen klaren Kommandos, wie sie sie auch aus ihrer Herde kennt. Und sie stellt sie wie selbstverständlich auch beim Menschen nicht in Frage. In den kommenden Jahren auch bei der weiter fortschreitenden Arbeit komme ich immer mal wieder zu unserem "Beziehungstraining" zurück, überprüfen wir auf freiwilliger Basis unser Verhältnis zueinander.
Luna folgt nun so sicher meinen Anweisungen, dass ich es wagen möchte,
mit ihr spazieren zu gehen. Sie ist nun 2 Jahre alt. Das "Spazierenführen"
von Jungpferden an der Hand ist eine uralte südwesteuropäische, vielleicht
sogar nordafrikanische Methode des menschlich-tierischen, gegenseitigen
Sich-kennen-und-schätzen-Lernens. Zu sämtlichen Spaziergängen wie auch später zum Longieren trägt Luna einen doppelt gesicherten ledernen Kappzaum, an dessen mittleren Ring das Führseil befestigt ist. Für Luna reichte diese Kappzaumvariante aus Leder ohne stählernes Innenteil immer aus; unsere Position ist durch eine klare Rangordnung gesichert und ein schärfer wirkendes Nasenteil war niemals notwendig. Trotzdem nehme ich zu den ersten Spaziergängen ein geländeerfahrenes Pferd aus der Herde mit und mache Luna zunächst mit dem vertraut, was es "draußen" so an Ungewöhnlichem gibt. Erst, als sie das Spazierengehen als eine normale und nicht mehr sehr aufregende Sache betrachtet, gehe ich auf ihr bekannten Wegen alleine raus. Und nun ist doch wieder alles neu und aufregend! Hinter jedem Baum sitzt ein kleiner Kobold, jedes Rascheln ist unheimlich und manchmal fehlt mir die Fantasie, um früh genug zu bemerken, was kleine Pferde alles beängstigen kann! Trotz aller "Gefahren" die da lauern, stelle ich mit Freude fest, dass Luna die Gesetze der Herde auf mich anwendet. Sie springt zwar mal erschrocken zur Seite, niemals aber überholt sie mich willentlich. Kommt sie dennoch einmal zu weit vor mich, reichen einfache Signale auf Kruppenhöhe aus, um sie zum Anhalten und zum hinter mich einordnen zu bringen. Sicher ist ihr noch sehr junges Alter ein Vorteil für mich; noch ist ihr Selbstbewußtsein nicht so weit gefestigt, dass sie sich zuviel zutraut und der Übermut zu groß würde. Selbst bei diesen Anfängen des Spazierenführens wechsele
ich regelmäßig die Pferdeseiten, führe von links wie von rechts und
auf der rechten Seite deutlich mehr, da sich Luna auf dieser Seite,
wie die meisten Pferde weniger leicht biegt.
Zeitgleich kommen in der Freiarbeit neue Übungen dazu. Luna lernt steigen - die gestreckte Pesade und als Ausgleichsübung, damit sie sich weiterhin gut unterordnet, das Kompliment - eine Unterordnungsgeste!
Das Kompliment
...und wenn alles gut klappt, ist die Freiarbeit "Vorführungsreif"
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