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2. Anlongieren
Frühjahr bis Herbst 1997 (Seite 1)
Der erste Schritt zum Longieren ist mit dieser Art der
Arbeit getan:
Ich kann mit Luna über die Körpersprache kommunizieren; wir sprechen
dieselbe Sprache und verstehen uns.
Der zweite Schritt folgt ganz behutsam und schränkt Lunas Freiheit
schon etwas ein.
Ein ähnliches Spiel wie in der Freiheitsdressur "spielen" wir nun
an einem langen Seil.
Am Anfang unterscheidet sich wenig von den bereits bekannten
Führpositionen. Ich gehe vorweg, Luna folgt mir und hält einen seitlichen
Abstand von ca 1 Meter zu mir.
Langsam vergrößere ich den Abstand zwischen uns, bin ihr beim Führen
mit meinem Körper zugewandt. Wir befinden uns auf der rechten Hand,
das Seil halte ich in der linken Hand, die Peitsche in der rechten
Hand auf Kruppenhöhe.
Immer, wenn Luna den seitlichen Abstand zu mir verringern möchte,
sich an mir anlehnen möchte, schwinge ich die Peitsche von hinten
nach vorne vor, so dass sie zwischen uns zum Liegen kommt. Luna akzeptiert
schnell, dass sie nicht ohne deutliche Aufforderung in meinen Individualraum
treten darf.
Will ich nach links abbiegen, reicht es aus,
etwas deutlicher hinter ihre Kruppe zu treten und sie geht am losen
Strick einen Kreis um mich herum.
Will ich nach rechts, also nach außen abbiegen, gestaltet sich
die Sache schon schwieriger. Mit der führenden Peitsche zwischen mir
und ihr, versteht Luna sehr schnell, was ich von ihr will; nämlich
der Peitschenspitze folgen. Führt die Peitsche nach links oder rechts,
folgt ihr die junge Stute, senkt sie sich vor ihr auf den Boden hält
sie an, schwingt sie zwischen uns durch nach hinten und wird leicht
angehoben so beschleunigt Luna ihren Schritt oder wechselt in die
nächst höhere Gangart.
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Ein freilaufendes Pferd wird in Wendungen bestrebt
sein, sich mit nach außen gestelltem Kopf auszubalancieren.
Die Longenarbeit befähigt es zum Gleichgewicht mit Orientierung
nach innen. |
Ich vergrößere nun meinen seitlichen Abstand zu ihr
auf ca 1,5 bis 2 Meter und berühre sie hin und wieder mit der Peitschenspitze
am inneren Hinterbein und am Bauch.
Anfangs reagiert Luna mit Schnellerwerden oder Davonlaufen. Dabei
gerate ich schnell hinter ihre Kruppe. Wie gut, dass sie gelernt hat
bei dieser Position einen Kreis um mich zu gehen.
Würde sie davonlaufen wollen, halten könnte ich sie nicht!
Mit einem leichten Schlenkern des Seiles kann ich sie zudem gut von
mir wegtreiben, sie hält immer besser einen zunehmend größeren Abstand
zu mir ein. So nähere ich mich nach und nach dem eigentlichen Longierabstand.
Noch begleitete ich Luna, gehe mit ihr mit. Auf größerem Abstand setze
ich die führenden Peitschensignale ein. Ich "longiere" Luna durch
die ganze Reitbahn. In den Ecken lasse ich sie einen Kreis um mich
herum gehen, an den langen Seite lasse ich sie anhalten (verbremsen
durch einen Schritt nach vorne in Richtung Schulter oder Kopf; absenken
der Peitschenspitze auf den Boden) und gleich darauf auch wieder antreten
(Peitschenspitze etwas anheben, selber einen Schritt nach hinten gehen
und damit den Weg nach vorne freimachen..)
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Die Hand die das Seil hält, zeigt Luna den Weg nach vorne,
der Abstand zu ihr ist auf ca 2-3 Meter vergrößert.
Noch begleite ich sie, gehe mit, so kann sie einen Gehrhythmus
aufnehmen und die vortreibenden Hilfen müssen nur sparsam
eingesetzt werden. |
Will ich an der Bande geradeaus gehen, so zeigt
die Longenhand ausgestreckt den Weg nach vorne,
will ich einen Kreis gehen und begebe mich in Kruppenhöhe,
so nehme ich meine Hand dicht vor den Körper in die sogenannte "Grundstellung".
Will ich Luna rückwärtsrichten, so hebe ich die vor ihr abgesenkte
Peitschenspitze wieder etwas an, begebe mich nach vorne und schlackere
am Seil.
Diese etwas unangenehme Bewegung bei gleichzeitigem
seitlich-optischem "Weg versperren" heranlasst Luna sofort rückwärtig
auszuweichen.
Luna zeigt sich sehr gelehrig und bleibt mit Spass an
der Sache.
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Durch leichte, nach unten wirkende Signale am Kappzaum veranlasse
ich Luna, den Kopf zu senken. Dadurch entspannt sich die Rückenmuskulatur
und der erste Schritt für ein Longieren in Anlehnung ist
getan.
Im späteren Verlauf der Arbeit wird sich Luna an diese Signale
erinnern und auch mit Ausbindern den Kopf allein durch die Signale
am Kappzaum senken.
Um einen Kreis um die Pylone zu longieren, begebe ich mich auf
Kruppenhöhe und mache ihr damit optisch den Weg um mich herum
frei. |
Bald schon können wir alle diese Übungen am lose durchhängenden
Seil mit recht großem Abstand.
Luna folgt der führenden Peitsche nahezu problemlos, sie bleibt auf
Anhieb stehen, tritt aus dem Stand unverzüglich im Schritt und Trab
mit gutem Schub von hinten an und wechselt souverän auf Aufforderung
die Grundgangarten.
Ein freilaufendes Pferd wird sich in Wendungen immer
so ausbalancieren, dass es seinen Hals nach außen stellt, um ihn als
Balancierstange zu benutzen. Erst die gymnastizierende Arbeit an der
Longe und später unter dem Sattel befähigt es, sich gebogen in die
Wendung zu begeben. )
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Der Wechsel durch den Zirkel: Die Longenführerin
steht in verbremsender Position, die Peitsche versperrt den
Weg. Luna wechselt souverän durch den Zirkel".
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Und wenn alles gut klappt, kann eine
schwierigere Übung folgen. Der Wechsel durch den Zirkel.
Er verlangt schon viel Gleichgewichtssinn und ausbalanciertes
Traben von dem jungen Pferd. |
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