Besuchen Sie unsere reiten.de Facebook-Seite Besuchen Sie unseren reiten.de Twitter-Feed
Besuchen Sie uns auf
Facebook und Twitter!

Sie sind hier:  www.reiten.deTrennpfeilCommunityTrennpfeilWissenswertesTrennpfeilVTrennpfeilVon der Trense zur Kandare (III - 7)
Melden Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter an!

Wissenswertes im Überblick


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Ausbildung des Pferdes Teil III - 7

  1. Konstante Anlehnung erarbeiten
  2. Die natürliche Schiefe des Pferdes überbrücken
  3. Die Hinterhand aktivieren
  4. Die Arbeit auf gebogenen Linien
  5. Die Arbeit an der Hand
  6. Die Arbeit auf zwei Hufschlägen
  7. Von der Trense zur Kandare

 

...aber immer noch kein Galopp!!

Luna reagiert auf die reiterlichen Hilfen mittlerweile sehr fein, so dass ich damit beginne, sie in bekannten und gut gekonnten Lektionen auf Kandare zu zäumen. Die Kandare schnalle ich zunächst mehr "zu Besuch" ins Maul; d.h. die Kandarenzügel hängen sichtbar durch, ich wirke nach wie vor ausschließlich mit der Trense ein und Luna soll sich zunächst nur an die beiden Gebisse in ihrem Maul gewöhnen.

Wenn ich mit der Kandare reite, arbeite ich mit Luna nur in bekannten Lektionen. Unser Schwerpunkt liegt in der Trabarbeit auf gebogenen Linien; Luna ist in der Lage eine Trab-Reprise vom verkürzten zum Mittel- und verstärkten Trab und zurück zu gehen; sie geht auf kurzen Abschnitten, immer wieder unterbrochen durch eine Volte auch die Seitengänge schon im Trab.

Ich füge die Arbeit mit der Kandare nur ab und zu in unsere tägliche Arbeit ein. In der Regel arbeiten wir mit der Trense. Aber mir kommt es bei der Zäumung auf Kandare darauf an, dass Luna in den Grundlektionen ruhig und gelassen reagiert und sich nicht aufregt. Je selbstverständlicher ihr die Arbeit mit dieser komplexen Zäumung in einfachen, ihr geläufigen Lektionen wird, je unspektakulärer wird es hoffentlich für sie später.

Luna nimmt die Kandare bereits gut an. An ihrer ruhigen Schweifhaltung und am Ohrenspiel erkennt man ihre innere Ruhe. Die Aktion ihrer Hinterhand ist gut und energisch. Deutlich kann man das kräftige Abfußen des Hinterbeines erkennen. Ich hätte sie in dieser Phase gerne von der Kopfhaltung her etwas mehr vor der Senkrechten, mache ihr durch das Nachgeben der Zügel und durch den entlastenden Sitz das Angebot, sich zu strecken und tiefer und offener nach vorne zu gehen.

Lunas Bereitschaft mitzuarbeiten ist sehr groß. Ich bemerke deutlich den größeren Zugriff, den ich durch diese Zäumung auf ihre Hinterhandarbeit habe. Aber ich bemerke auch die große Gefahr, die von der Kandare ausgehen kann, wenn sie zu früh eingesetzt wird. Lunas Tendenz, sich nicht genügend nach vorne abzustrecken, wird durch die Kandarenzäumung trotz sehr achtsamer Zügelführung unterstützt. Hier hilft nur wieder das Zurückgehen zur Trense, mit der ich "anfassen" kann, den Weg nach unten zeigen kann, ohne ein zu frühes, aber falsches "Fädchenpferd" zu haben!!!

... die Zügel werden nachgegeben, die Tritte werden raumgreifender, Luna kommt auch insegesamt wie gewünscht tiefer, ihr Kopf aber bleibt immer noch in der Senkrechten und der Halswirbel offnet sich nicht wie gewünscht zur deutlichen Vorwärts-abwärts-Haltung!!!

Nun ist es so weit, mit der Galopparbeit zu beginnen. Im ersten Ausbildungsjahr habe ich den Galopp nur im Gelände abgefragt. In den klassischen Ausbildungslehren gehen die Meinungen über die Galopparbeit weit auseinander. Die Lehren früherer Zeiten verlangten vor der Galopparbeit ein im Schritt und Trab vollkommen ins Gleichgewicht gebrachte Pferd. Den Galopp "bekäme man dann fast geschenkt".

Neuere Ausbildungslehren plädieren für den früheren Galopp, da er wie keine andere Gangart die größte Entwicklungsmöglichkeit für die Schubkraft bedeutet und das junge Pferd am schnellsten zur willigen Hergabe der Rückenmuskeln veranlaßt. Mir wird die Entscheidung von Luna etwas abgenommen. Im Gelände galoppiert sie schon bald leicht in einem schönen ruhigen Naturgalopp und zeigt auch keinerlei größere Unruhe.

Versuche ich dagegen den Galopp in der Reitbahn abzufragen ist der Teufel los. Vom Davonstürmen, über Buckeln und übergroße Hektik reichen Lunas Verhaltensmuster. Ich verzichte daher das ganze erste Jahr auf die Galopparbeit in der Bahn und übe das Angaloppieren auf immer feiner werdende Hilfen ab und an im Gelände. In der Reitbahn forciere ich den Galopp an der Longe und der Doppellonge, erarbeite vorwiegend das Angaloppieren und das wieder Durchparieren in den Trab und versuche so, Luna vermehrt ins Gleichgewicht zu bringen.

Nun ist ja das langsame Vorgehen in der Pferdeausbildung immer weniger fehlerhaft als das zu schnelle; dennoch sollte man auch das langsame Vorgehen nicht übertreiben. Entscheidend für die Beurteilung der Ausbildungsstufe, auf der sich ein Pferd befindet, ist wohl am ehesten der Grad von Leichtigkeit, mit der das Pferd am Zügel geht. Von daher gesehen ist es nun absolut an der Zeit, mit der Galopparbeit anzufangen.

Luna ist nun viel mehr im Gleichgewicht als im letzten Jahr, sie steht zuverlässig an den ihr bekannten Hilfen... und wir haben mindestens dieselben Schwierigkeiten mit dem Galopp wie im Jahr zuvor. Luna explodiert, sie buckelt, steigt und versucht sich rückwärts zu entziehen, das Reiten auf ihr gleicht dem auf einer Zeitbombe. Habe ich den Galopp einmal gefragt, ist sie für den Rest der Stunde so unter Spannung, dass an keine einzige gescheite Lektion mehr zu denken ist. Ich kann froh sein wenn ich es schaffe, sie nach einiger Zeit im Schritt am langen Zügel leidlich ruhig zurück in den Paddock zu bringen.

Ich überlege, wo der Fehler sitzen könnte, will mich nicht von ihnen freisprechen. Habe ich zu früh mit der Beizäumung begonnen? Liegen die Temperamentstörungen darin begründet? Jeder Ausbildungsschritt aber baute aufeinander auf, ich habe sorgfältig darauf geachtet, dass ich langsam genug vorging. Habe ich Luna trotzdem überfordert? Wenn ja, wo? Ich kontrolliere den Sattel; drückt er vielleicht? Ich hole viele Meinungen und Ratschläge auch von befreundeten Ausbildern ein; das Problem löst sich nicht befriedigend.

Mal liegt ein Tag dazwischen, an dem der Galopp zufriedenstellend ohne große Aufregung klappt; ein Hoffnungsschimmer für die weitere Arbeit. Am nächsten Tag ist alles um so schlimmer. Freundinnen fragen schon liebevoll besorgt nach der Arbeit mit meinem "Spanischen Känguruh", ich wälze Bücher, um eventuell irgendwo auf ähnlich beschriebene Probleme zu kommen und werde mit der Zeit ziemlich sattelfest. Ganz sicher liegt eine Ursache von Lunas Verhalten in ihrem wirklich sehr schwierigem Temperament begründet. Sie ist sehr gelehrig, übereifrig, sehr neugierig, arbeitswillig mit einem kaum zu bändigenden Vorwärtsdrang. Dabei ist sie extrem schreckhaft, ihre unbändige Energie muss immer irgendwo ein Ventil haben; zuviel bremsende Einwirkungen entladen sich in der Luft und ich kann sie immer nur versuchen von dem zu überzeugen, was ich vorhabe. Schaffe ich es nicht, sie auf meine Seite bringen, (was in der normalen Arbeit eigentliche kein Problem ist), widersetzt sie sich übel.

Ich erinnere mich daran, dass auch Lunas Vater ähnliche Temperamentschwierigkeiten hat und als äußerst schwieriges Pferd bekannt ist. Ich weiß auch, dass Luna ein riesiges Potential an Bewegung und Ausdruck in sich trägt. Kostproben davon bekomme ich des öfteren mal geschenkt. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich es jemals gescheit schaffen werde, ihre Energie zu kanalisieren. Dabei möchte ich ganz deutlich feststellen, dass alle ihre Ausbrüche niemals wirklich böswillig gemeint sind oder sich gegen mich richten. Ich habe das Gefühl, dass sie mit ihrer eigenen inneren Unruhe mitunter nicht umgehen kann, da sich ähnliche Verhaltensmuster auch in der Herde zeigen.

Die Schwierigkeit, die sich für mich mit der Galopparbeit ergibt, ist hauptsächlich die , dass Luna alle vortreibenden Hilfen meinerseits in der Luft entlädt. Schwierigkeiten kann man aber immer nur durch Vorwärtsreiten bewältigen und ich komme deshalb alleine nicht weiter. Eine befreundete Ausbilderin hilft mir zur Zeit bei der Galopparbeit vom Boden aus mit. Immer, wenn Luna eine meiner vortreibenden Hilfen nicht annimmt und Versuche startet zu buckeln, treibt sie mit der Longierpeitsche vom Boden aus nach. Nach und nach durchbrechen wir so den Kreislauf, ohne dass ich mich gewaltsam durchsetzen müsste (was bei einem Pferd wie Luna fatale Folgen hätte). Luna galoppiert nach vorne, bevor sie hektisch wird pariere ich durch in den Trab, kann sie nun endlich loben.
Sie ist nach wie vor sehr aufgeregt, von Losgelassenheit noch keine Spur, aber auch kein wildes Herumgehampel mehr. Ich versuche den Galopp täglich wie zufällig, an irgendeiner Stelle der Tagesarbeit abzufragen und danach unsere normale Arbeit fortzusetzen. Meistens ist nach dem Galopp nur wieder "Lösen" und "Beruhigen" angesagt. Und ich weiß nun, dass man auch mit striktem Einhalten der alten klassischen Regeln den Galopp nicht einfach "geschenkt" bekommt. Es wird sicherlich noch Jahre dauern, bis sich Lunas Temperament dahingehend gelegt haben wird, dass man sie ein zuverlässiges Reitpferd nennen könnte. Und es ist jetzt schon abzusehen, dass auch die weitere Galopparbeit, wenn es um das Forcieren der Gangart gehen wird, immer wieder mit Problemen behaftet sein wird.

Der letzte Stand unserer Ausbildung unter dem Sattel ist bisher, nach nunmehr fast zwei Jahren folgender:

  • Luna löst sich im Schritt durch Biegeübungen und Seitengangkombinationen.

  • Sie zeigt im Schritt und Trab eine gute Anlehnung, ist federleicht im Maul und nimmt das Gebiss, egal ob Trense oder Kandare gut an.

  • Sie ist durchlässig und steht bereits sehr gut an den vortreibenden und versammelnden Hilfen. Es sind nur wenige Einwirkungen von Gewicht und Schenkel notwendig, die Zügelhilfen minimieren sich zusehends.

  • Sie geht im Schritt und Trab taktrein und losgelassen auf gebogenen Linien wie auf den Geraden, sowohl in Verstärkungen als auch in versammelnden Übungen.

  • Sie beherrscht zunehmend die Seitengänge im Trab, auch in ihren Kombinationen; wobei man selbstverständlich berücksichtigen muss, dass alle diese Lektionen keinen Selbstzweck haben, sondern zur Durchlässigkeit, Losgelassenheit und Versammlungsfähigkeit des Pferdes dienen. Insofern sind sie als Prozess zu betrachten und erhalten ihre eigentliche Ausdrucksstärke erst dann, wenn das Pferd insgesamt eine erhabene und schwungvolle Gangmechanik zeigen kann.

Sie lernt gerade, dass auch der Galopp eine Gangart ist, die nicht zum völligen Nervenzusammenbruch führen muss (auf beiden Seiten), und dass es durchaus entspannend sein kann, auch danach mal auszuatmen und nicht die Luft anzuhalten bis man platzt.




Wissenswertes im Überblick


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Besuchen Sie unsere reiten.de Facebook-Seite Besuchen Sie unseren reiten.de Twitter-Feed