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Wissenswertes im Überblick


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Ausbildung des Pferdes Teil I - 1

Freies Arbeiten mit dem Pferd und Pony sowei Spazieren führen von Pferd und Pony

  1. Freiarbeit und Spazierenführen
  2. Anlongieren
  3. Training an der Longe
  4. Erste Showerfahrungen
  5. Erste Arbeiten an der Hand

Luna ist nun ca. 1 1/2 Jahre alt, sie ist leicht und gehorsam im Umgang und ich möchte nun beginnen, sie an das Spazierengehen zu gewöhnen.
Für die ersten Übungen benutze ich nur ein stabiles, verstellbares Stallhalfter und ein ca. 5m langes Seil.
Die ersten gezielten Führübungen beginne ich in der Reitbahn.
Vom täglichen Umgang her sind Luna die wichtigsten Regeln schon bekannt; sie müssen nun gefestigt werden:

  • Man darf niemals den Chef (mich) überholen.
  • Man hat respektvollen seitlichen Abstand zu halten (klappt noch nicht immer, vor allem nicht nach dem Freiheitsjahr in der Fohlenherde. Daran muss noch geübt werden).
  • Man hat unverzüglich anzuhalten, wenn der Chef stehen bleibt.
Die Hilfen, die ich bei Lunas Grunderziehung bislang einsetzte, entstammen alle aus dem körpersprachlichen Repertoire der Pferde. Auch bei der Festigung und den weiterführenden Arbeiten will ich zunächst noch diese Hilfen zur Verständigung einsetzen.

Ich beginne also mit der Freiarbeit in einem festumzäunten, nicht zu kleinen Viereck. Hier "spielen" wir zunächst miteinander. Das Spiel heißt:

  • "Geh weg"
  • "Komm her"
  • "Bleib stehen"
  • "Wende in die andere Richtung"
  • "Bis hier hin und nicht weiter"

 

Komm her!

Über die Grundpositionen im Raumsystem des Pferdes gelingt es, Luna vorwärts zu schicken, zu verbremsen oder gar anzuhalten. Luna läuft auf dem Hufschlag, ich gehe auf einem kleineren Kreis in der Bahnmitte mit ihr mit.
Bleibe ich deutlich hinter ihrer Kruppe, so hat diese Position einen vortreibenden Charakter, will ich ihr Tempo reduzieren oder sie gar anhalten, so verlagere ich meine Position auf die Höhe ihrer Schulter oder gar ihres Kopfes.
Diese "Hilfe" kopple ich sofort mit der dazugehörenden Stimmhilfe und dem Vorführen der Peitsche in Richtung Pferdekopf bei gleichzeitigem Absenken der Peitschenspitze in Richtung Boden.

Luna reagiert sofort fein und sehr aufmerksam. Zum erneuten Antreten begebe ich mich wieder deutlich hinter ihre Kruppe und hebe die Peitsche wieder hinter der Kruppe bis auf die Sprunggelenkhöhe an. Dieses Einüben von Antreten und Anhalten üben wir in dieser spielerischen Form mit viel Lob, wenn eine Aufforderung gut gelingt. Der nächste Schritt folgt dann auch sogleich. Noch in der Bewegung schwinge ich die Peitsche hinter meinen Rücken zurück, gehe deutlich mit meiner Hüfte zurück und locke Luna mit ausgestreckter Hand und einem Zuruf zu mir.

Es ist erstaunlich, wie schnell sie versteht, augenblicklich abwendet und zu mir hinläuft. Jetzt wird sie ausgiebig gelobt, gestreichelt und das Leckerchen fehlt auch nicht. Würde sie nicht so prompt reagiert haben, so hätte ich sie weiter vor mir hertreiben müssen und ihr diese Aufforderung so oft wie nötig geben müssen.
Jetzt, wo sie frei neben mir steht, fordere ich sie auf, mir zu folgen. Meine Hand ist leicht ausgestreckt vor ihren Nüstern, ich setzt mich in Bewegung und mach mir ihren angeborenen Nachfolgetrieb zu nutze.

Luna folgt mir. Für den Fall, dass sie mich überholen will habe ich vorsichtshalber die Gerte griffbereit, die augenblicklich vor ihrem Kopf hochschnellend eingesetzt werden könnte. Luna macht aber keine Anstalten auszubrechen oder sich von mir zu entfernen. Sie geht, wenn ich gehe, sie bleibt stehen, wenn ich stehenbleibe, sie folgt mir sogar in die Wendung....um dann die Gelegenheit zu nutzen, um mit freudigen Quitschern und wild buckelnd davonzustürmen.
Aber wie gesagt, wir spielen ja ein Spiel.

Diese Momente gehören dazu, sie sind eingeplant und ich beginne wieder damit, Luna vor mir her zu treiben, sie zu verbremsen und auf Zuruf zu mir zu locken.

Loben, Leckerchen und jetzt bitte wieder folgen!

Es dauert keine drei Tage, da hat Luna das Spiel völlig verstanden. Stets ist sie mit einem Ohr bei mir, erwartet neue Anweisungen und am liebsten kommt sie herein zu mir.
Das gelingt recht bald schon aus allen Gangarten und wird zu unserem erklärten Lieblingsspiel.

Doch Vorsicht! Das "Spielen" mit den Pferden darf nicht zur "Spielerei" werden. Man sollte immer bestimmte Leistungen und genau definierte Lektionen anstreben, damit nicht das Pferd plötzlich die Spielregeln bestimmt und die Rangfolge umkehrt.

Niemals darf das Pferd am höheren Rang des Menschen zweifeln; nur dieser macht ihn in seinen Augen vertrauenswürdig.

Das nächste Kommando ist nun sehr einfach zu verstehen: Beim Hereinholen in den Kreis (zu mir kommen) schwingt wie zum Anhalten auf dem Hufschlag die Peitsche wieder vor, die Spitze senkt sich ab und gibt Luna weiter von mir entfernt das Zeichen zum Anhalten.
Verdutzt bleibt sie auch prompt stehen, unbeweglich schauen wir uns an, sie wagt einen Schritt zu mir hin. Ein scharfes "Nein" und das augenblickliche Anheben der Peitschenspitze lassen sie auch sofort wieder anhalten.
Ich verlange heute kein langes Stehenbleiben, nehme die Peitsche recht schnell wieder hinter meinen Rücken, gehe auf sie zu und lobe sie ausgiebig. Diese Übung wiederholen wir einige Male, dann klappt der "Appell", wie diese Übung in der Zirkussprache heißt, bereits prima.

Nun versuche ich, sie beim Hereinkommen an diversen Stellen anzuhalten, wieder auf mich zu kommen zu lassen, sie wieder zu stoppen, bis sie, endlich bei mir angekommen, ihr Leckerchen in Empfang nehmen kann.

Diese Art der Arbeit fördert ganz ungemein das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Pferd; im Spiel erfährt Luna die klare Dominanz des Menschen, sie lässt sich wegtreiben und vortreiben, sie lässt sich anhalten und ich bestimme, wann sie zu mir kommen darf. Es sind die gleichen klaren Kommandos, wie sie sie auch aus ihrer Herde kennt. Und sie stellt sie wie selbstverständlich auch beim Menschen nicht in Frage.

In den kommenden Jahren auch bei der weiter fortschreitenden Arbeit komme ich immer mal wieder zu unserem "Beziehungstraining" zurück, überprüfen wir auf freiwilliger Basis unser Verhältnis zueinander.

Und noch einen kleinen Bonus gibt es gratis dazu: Luna liebt dieses Spiel so sehr, vor allem das Leckerchen am Schluß, dass wir es überall spielen können; selbst auf der Wiese kommt sie von weit hinten angetrabt, wenn sie meinen Zuruf hört. Gibt es wirklich Pferde, die man einfangen muss?????

Luna folgt nun so sicher meinen Anweisungen, dass ich es wagen möchte, mit ihr spazieren zu gehen. Sie ist nun 2 Jahre alt. Das "Spazierenführen" von Jungpferden an der Hand ist eine uralte südwesteuropäische, vielleicht sogar nordafrikanische Methode des menschlich-tierischen, gegenseitigen Sich-kennen-und-schätzen-Lernens.
(Von Sadko Solinski ausführlich beschrieben und erklärt in "Gymnasium des Freizeitpferdes")

Zu sämtlichen Spaziergängen, wie auch später zum Longieren, trägt Luna einen doppelt gesicherten ledernen Kappzaum, an dessen mittleren Ring das Führseil befestigt ist. Für Luna reichte diese Kappzaumvariante aus Leder ohne stählernes Innenteil immer aus; unsere Position ist durch eine klare Rangordnung gesichert und ein schärfer wirkendes Nasenteil war niemals notwendig. Trotzdem nehme ich zu den ersten Spaziergängen ein geländeerfahrenes Pferd aus der Herde mit und mache Luna zunächst mit dem vertraut, was es "draußen" so an Ungewöhnlichem gibt.

Erst, als sie das Spazierengehen als eine normale und nicht mehr sehr aufregende Sache betrachtet, gehe ich auf ihr bekannten Wegen alleine raus. Und nun ist doch wieder alles neu und aufregend!

Hinter jedem Baum sitzt ein kleiner Kobold, jedes Rascheln ist unheimlich und manchmal fehlt mir die Fantasie, um früh genug zu bemerken, was kleine Pferde alles beängstigen kann! Trotz aller "Gefahren" die da lauern, stelle ich mit Freude fest, dass Luna die Gesetze der Herde auf mich anwendet. Sie springt zwar mal erschrocken zur Seite, niemals aber überholt sie mich willentlich. Kommt sie dennoch einmal zu weit vor mich, reichen einfache Signale auf Kruppenhöhe aus, um sie zum Anhalten und zum hinter mich einordnen zu bringen. Sicher ist ihr noch sehr junges Alter ein Vorteil für mich; noch ist ihr Selbstbewußtsein nicht so weit gefestigt, dass sie sich zuviel zutraut und der Übermut zu groß würde.

Selbst bei diesen Anfängen des Spazierenführens wechsele ich regelmäßig die Pferdeseiten, führe von links wie von rechts und auf der rechten Seite deutlich mehr, da sich Luna auf dieser Seite, wie die meisten Pferde, weniger leicht biegt.
Schon bald kann ich unsere Ausflüge auch zu ersten gymnastizierenden Übungen nutzen:
Untertouchieren des inneren Hinterbeines in einer Volte, welches ein deutlich weiteres Untergreifen dieses Beines zur Folge hat, Anhalten und Wiederantraben aus dem Stand, verlangsamen und verstärken des Schritts und später auch des Trabs, untertouchieren der Hinterhand bei Übungen zum Anhalten.

Luna wird durch unsere Arbeit im Gelände sehr ausgeglichen. Es dauert nicht lange und Unbekanntes erschreckt sie nicht mehr, ihre Selbstsicherheit und ihr Mut nehmen zu. Nach und nach erweitere ich unsere Ausflüge, variiere das Geläuf:
Feld-, Wald-, Wiesenwege, Holperpfade, Straßen, Auf- und Abstiege, steile Berge und Pfützen lernt sie kennen und meistern. Dies alles sind Dinge, die die Herde in unserer kultivierten Welt den Pferden nicht mehr bieten kann. Es ist durchaus von Vorteil, wenn man sich diese Zeit nehmen kann, um junge Pferde so an das Gelände und an unsere Welt zu gewöhnen. Beim "Spazierenführen" ist unser Ziel erreicht, wenn sich unser junges Pferd anstandslos aus der Herde wegführen lässt, uns gradlinig und ruhig folgt, unseren Gehrhythmus übernimmt, sich prompt anhalten lässt und jederzeit ruhig stehen bleibt.
Es darf uns nicht überholen und sollte auch nicht mehr vor schreckenerregenden Objekten ausbrechen. Durch unsere Übungen im Gelände erreichen wir eine erste Gymnastizierung und die gesamte Arbeit leitet nahtlos zum Longieren über.

Zeitgleich kommen in der Freiarbeit neue Übungen dazu. Luna lernt steigen - die gestreckte Pesade - und als Ausgleichsübung, damit sie sich weiterhin gut unterordnet, das Kompliment - eine Unterordnungsgeste!




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